Kirchengebäude und Burgen

Binsfeld, Pfarrkirche St. Gertrud

Schon für das Jahr 785 wird eine Kirche in Binsfeld erwähnt, die damals mit reichem Landbesitz der in Brabant gelegenen Abtei Nivelles geschenkt wurde. In der Mitte des 16. Jahrhunderts erfolgte unter der Regie der Freiherrn von Binsfeld ein Umbau der alten Kirche in eine spätgotische, dreischiffige Hallenkirche. Die mehrfach renovierte und erweiterte Kirche hat im Zweiten Weltkrieg starke Beschädigungen erlitten, die Mitte der fünfziger Jahre des. 20. Jahrhunderts beseitigt wurden. Unter dem Chor liegt die Gruft der Freiherren. Hier steht das Epitaph von 1636 mit den Figuren von Johann von Binsfeld und Anna von Nesselrode. Erwähnenswert ist auch das um 1530 entstandene Holzkreuz im Chor mit dem spätgotischen Korpus, die romanischen Wandmalerei in der Laibung eines romanischen Fensters, die hl. Katharina darstellend, und die Deckenmalerei im Kirchengewölbe. Auf dem Kirchhof haben sich 48 historische Grabkreuze aus dem 18./19. Jahrhundert erhalten, wertvolle Zeugnisse der Volkskunst. Die 1957 von Gottfried Klein geschaffenen 14 Kreuzwegstationen sind leider später in die Kirchhofsmauer eingesetzt worden, wo die kleinen Kunstwerke der Verwitterung ausgesetzt sind.

Eschweiler über Feld, Pfarrkirche St. Heribert

Der Kölner Erzbischof Heribert schenkte im Jahre 1003 der Benediktinerabtei Deutz die Kirche, einen Hof und Zehntrechte in Eschweiler. Bis zur Aufhebung der geistlichen Orden in der napoleonischen Zeit behielt die Abtei ihr Eigentum und die Rechte im Ort. Auf einem Gemälde aus dem 18. Jahrhundert ist die kleine Kirche zu sehen, die 1896 niedergelegt wurde. Nach Plänen des Kölner Architekten Ross entstand damals an anderer Stelle eine neugotische Kirche. Aus der alten Kirche ist nur eine einfache, holzgeschnitzte Statue des Pfarrpatrons Heribert vom Beginn des 16. Jahrhunderts in den Neubau gekommen. Die gesamte Ausstattung ist aus dem 20. Jahrhundert. Am Südwestportal steht eine überlebensgroße Basaltfigur des hl. Heribert, die 1973 von dem in Mulartshütte lebenden Künstler Hermann Pier geschaffen wurde, ein beeindruckendes modernes Kunstwerk.

Frauwüllesheim, Pfarrkirche Mariä Heimsuchung

Die kleine Kirche rechnet zu den am feinsten und am sorgfältigsten durchgeführten frühgotischen Bauwerken der Rheinlande, die unter dem Einfluss der Kölner Hütte stehen. „Auffallend ist die Übereinstimmung mit den älteren Bauteilen der St. Anna-Kirche in Düren....“ schreibt Clemen in den „Kunstdenkmälern des Kreises Düren“ von 1910. In der Mitte des 13. Jahrhunderts entstand die aus Rotsandsteinquadern ausgeführte, damals zur Pfarre Binsfeld gehörende Kapelle, wie sie mit unwesentlichen Änderungen seit 1847 als Frauwüllesheimer Pfarrkirche noch heute besteht. Hervorzuheben sind die gotischen Maßwerkfenster, deren Sandsteinmaterial durch unsere schadstoffbelastete Luft und eben solchen Regen stark beschädigt ist. Innen haben Chor und Langhaus Kreuzgewölbe, die auf Säulen und Diensten mit Laubkapitellen ruhen. Von der Ausstattung sind die Hl. Drei Könige zu nennen, die aus dem 14. Jahrhundert stammen und eine Kreuzigungsgruppe, deren Korpus dem 16./17. Jahrhundert zugeschrieben wird. Die Holzfiguren Maria und Johannes sind Kölner Arbeiten des 15./16. Jahrhunderts.

Hochkirchen, Pfarrkirche St. Viktor

Weithin sichtbar steht die Hochkirchener Pfarrkirche auf dem Ostufer über dem Neffelbach. Zusammen mit dem von einer Bruchsteinmauer umgebenen, heute geschlossenen Friedhof, dem Pfarrhaus und dem Steinfelderhof, bildet sich eine beeindruckende, geschlossene Anlage. Das Gotteshaus steht über einem im 5. Jahrhundert durch Feuer zerstörten römischen Landhaus. Es hatte an diesem Standort mehrere Vorgängerbauten. Schon für das 9. Jahrhundert ist eine kleine Holzkirche nachgewiesen. Im 16. Jahrhundert hat die Kirche ihr heutiges Aussehen bekommen. Das Mauerwerk ist durchsetzt mit römischem Baumaterial, das allerdings heute, nach Aufbringen eines Außenputzes, nicht mehr sichtbar ist. Die einheitlich gestaltete Inneneinrichtung ist um 1800 entstanden und wurde 1950/60 restauriert. Der klassizistische Stil ist mit einer reichen Blattgoldverzierung herausgearbeitet worden. Eine damals freigelegte gotische Deckenbemalung wurde restauriert und ergänzt. Seit dem Jahr 1494 gehörte die Pfarre der Praemonstatenser-Abtei Steinfeld in der Eifel, die schon seit 1194 hier bedeutende Eigentumsrechte hatte, die sie bis zur Auflösung der Orden im Jahre 1802 ausüben konnte.

Dorweiler, Kapelle St. Margaretha

Die St.-Margaretha-Kapelle gehört mit dem Dorf zur Pfarre oder, wie der Volksmund sagt, zum Kirchspiel Hochkirchen. Die Kapelle wird mit ihren romanischen Bauteilen in das 11. Jahrhundert datiert. Ihr heutiges Aussehen hat sie durch Um- und Ausbauten in den späteren Jahrhunderten erhalten. Über einen Zeitraum von 20 Jahren ist Mitte des 20. Jahrhunderts eine sehr gründliche Restaurierung vorgenommen worden. Dabei konnte der vor dem Zweiten Weltkrieg abgebrochene Turm erneuert und das Seitenschiff auf seinem alten Fundament wieder angebaut werden. Ein um 1600 entstandenes spätbarockes Altarbild ist 1986 restauriert worden. Es zeigt eine Kreuzigungsszene, die Kapellenpatronin St. Margaretha, den Pfarrpatron St. Viktor und den in die Ordenstracht der Praemonstratenser gekleideten, knienden Stifter des Bildes. Beachtenswert ist in Dorweiler auch die unweit der Kapelle stehende Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1763 aus Eifeler Rotsandstein.

Poll, Kapelle St. Petrus in Ketten

Die Kapellengemeinde Poll gehört zum Kirchspiel mit dem Pfarrort Hochkirchen. Die kleine Kapelle hat das in unserer Region seltene Patrozinium St. Peter in Ketten, das seinen Festtag am 1. August begeht. Das nur 20 x 5 m große Kirchlein ist aus dem 15./16. Jahrhundert. Es dürfte ältere Vorgängerbauten gehabt haben. Im Mauerwerk ist römisches Baumaterial verarbeitet, Ziegelsteine, Bruchstücke eines Matronensteines. Auf dem barocken Holzaltar stehen die Statuen der hl. Petrus und Paulus, die wohl im 17./18. Jahrhundert entstanden sind. Sie geben in ihrem bäuerlich-derb bewegten Ausdruck ein gutes Zeugnis handwerklicher Volkskunst der Barockzeit.

Nörvenich, Pfarrkirche St. Medardus

Die 1642 zerstörte Nörvenicher Pfarrkirche ist in den Jahren 1658 bis 1664 von Grund auf neu erbaut worden. Der dreischiffige Backsteinbau hat einen vorspringenden Westturm und einen dreiseitig schließenden Ostchor. Über die Baugeschichte des Gotteshauses liegen genaue Aufzeichnungen des vor 400 Jahren amtierenden Pfarrers vor. Auch über die Beschaffung der Inneneinrichtung gibt es eine präzise Dokumentation. Ein besonders herausragendes Zeugnis barocker Handwerkskunst in der Kirche ist die Kanzel von 1667. An ihr stehen die holzgeschnitzten Figuren von Christus mit den vier Evangelisten und den Büsten der vier lateinischen Kirchenväter. In der Kirche finden sich zahlreiche weitere Beispiele barocker Kunst des 17. Jahrhunderts, wie Taufbecken, Altäre und Beichtstühle.

(Alt)-Oberbolheim, Kapelle St. Antonius

Seit mehr als 30 Jahren liegt die St. Antonius Kapelle einsam im Neffelbachtal zwischen Nörvenich und Niederbolheim unmittelbar unter der Startbahn des Nörvenicher Fliegerhorstes. Das alte Dorf Oberbolheim musste 1969/70 wegen der vom Flugplatz ausgehenden Gefahren umgesiedelt werden. Die aus dem 16. Jahrhundert stammende Kapelle hat in Turm und Langhaus mit römischem Baumaterial durchsetze romanische Bauteile, die auf wesentlich ältere Vorgängerbauten hinweisen. Ursprünglich gehörte die Kapelle zur Pfarre Ollesheim, die den Kölner Antonitern inkorporiert war. Seit 1808 ist sie Filiale der Pfarrkirche Nörvenich. Seit Jahren bemüht sich der „Kapellenverein Oberbolheim e.V.“ unter Aufwendung großer Finanzmittel um die Erhaltung des Gotteshauses. Die Jahrhunderte lang durchgeführten Wallfahrten zum hl. Antonius, der hier als Helferheiliger bei Schweinskrankheiten angerufen wurde, ist mit der Umsiedlung der Bevölkerung eingestellt worden.

Pingsheim, Pfarrkirche St. Martin

Erzbischof Heribert hat im Jahre 1022 der Kölner Benediktiner-Abtei Groß-St.-Martin das „Kirchlein“ in Pingsheim mit großem Landbesitz geschenkt. Fast 800 Jahre lang sind die kirchlichen und damit verbunden auch die weltlichen Geschicke des Dorfes von der Abtei bestimmt worden. Erst die Aufhebung der Orden im Jahre 1802 beendete den Einfluss des Klosters, das seinen Landbesitz von dem neben der Kirche gelegenen Zehnthof aus hatte bewirtschaften lassen. Für die Seelsorge schickte der Abt seine Mönche in die Pfarre Pingsheim. Die denkmalgeschützte Kirche hat romanische und gotische Bauteile. Zuletzt ist sie im Jahre 1913 besonders nachhaltig renoviert und um das südliche Seitenschiff vergrößert worden.

Rath, Pfarrkirche St. Nikolaus

Seit seiner Ersterwähnung im Jahre 1177 gehörte Rath bis zur Neuordnung der Pfarren in der napoleonischen Zeit zur Pfarre Nörvenich. 1806 wurde es mit seiner St. Nikolaus Kapelle der Pfarre Wissersheim zugeteilt. Die spätere Rektoratskirche wurde erst im 20. Jahrhundert zur Pfarrkirche erhoben. Die alte Kapelle ist im 12./13. Jahrhundert entstanden und später erweitert worden. Nach schwerer Zerstörung im Jahre 1642 erfolgte der Wiederaufbau, der 1841 eine wesentliche Vergrößerung erhielt. Das einschiffige Gotteshaus ist in der Mitte des 20. Jahrhunderts sehr gründlich renoviert worden. Dabei hat es u.a. Buntglasfenster bekommen, die in moderner Darstellung den Pfarrpatron St. Nikolaus, die hl. Elisabeth und den hl. Josef zeigen.

Wissersheim, Pfarrkirche St. Martin

Das zuerst 836 genannte Wissersheim hatte eine zweischiffige spätromanische Bruchsteinkirche, die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach um- und ausgebaut wurde. Zum Ende des 19. Jahrhunderts war sie in einem schlechten baulichen Zustand. Sie musste niedergelegt und in den Jahren 1894 bis 1896 durch einen Neubau, gegenüber dem alten Standort, ersetzt werden. Aus der alten Kirche sind damals vermutlich nur ein holzgeschnitzter romanischer Christuskorpus, ein dreiteiliges Tafelbild mit der Darstellung des hl. Martin und zwei anderen Heiligen, ein Bild „Martyrium des hl. Sebastianus“ von 1653 und ein Pietabild in den Neubau gekommen. Am Seitenaltar steht die holzgeschnitzte Statue der hl. Brigida, die früher von den Landleuten als Fürbitterin bei Viehkrankheiten angerufen wurde. An ihrem Festtag, dem 1. Februar, kamen zahlreiche Pilger aus naher und weiter Umgebung nach Wissersheim.

Ollesheim, Termelineskapelle

Die Kapelle liegt an Gut Ollesheim, einem Weiler, zu dem in alter Zeit drei Höfe gehörten. Heute gehören noch das Gut und der Engelshof dazu, jeweils mit Nebengebäuden und Arbeiterwohnhäusern. Unmittelbar an der Landstraße 263 steht die Termelineskapelle, daneben das Pfarrhaus. Die heutige Kapelle ist 1880 gebaut worden, nachdem schon 1857 die alte Pfarrkirche wegen Baufälligkeit abgebrochen worden war. Zusammen mit dem benachbarten Oberbolheim bildete Ollesheim einePfarre, die von den Franzosen 1808 endgültig aufgehoben wurde. Nach der örtlichen Überlieferung ging von hier die Missionierung der umliegenden Gegend aus. Der iroschottische Mönch Termelines oder auch Timerlin war in Ollesheim tätig. Er soll in der abgebrochenen Kirche beerdigt worden sein. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das Grab Ziel frommer Pilger, die hier Wasser und Erde holten. Beides, Wasser und Heilerde, wurde gegen Schwindsucht und Brechdurchfall angewandt. 1441 schenkte Herzog Gerhard von Jülich die Pfarre Ollesheim den Antonitern, die schon lange Zeit großen Besitz an Höfen, Ländereien und Zehnten in der Umgebung hatten. In Ollesheim besaßen sie den kleene Tönneshauf, den kleinen Antoniterhof. Jährlich gingen von hier an die Kölner Ordensniederlassung an Pacht 136 Malter Getreide verschiedener Fruchtarten, je zwei Hammel und Kälber und vier Goldgulden. 1802 wurde die Antoniterniederlassung in Köln aufgehoben, die Besitzungen von der Domänenverwaltung verkauft. Eine 1956 als „früheste überkommene kölnische Skulptur" entdeckte Statue ist als Ollesheimer Madonna aus dem 13. Jahrhundert in das Kölner Museum Schnütgen gegangen. Sie hat Jahrhunderte lang in Ollesheim gestanden. Das Gut Ollesheim wurde 1887 von den Erben des Besitzers Winand Heuser an den Direktor der damaligen Dürener Zuckerfabrik, Leopold Peill, verkauft. Die Nachkommen bewirtschaften heute noch den Gutshof. Beim damaligen Verkauf blieben aber die Kapelle und der kleine Friedhof im Besitz der Erbengemeinschaft Heuser. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Irresheim, Kapelle St. Anna

Die Kapelle wurde im Jahre 1888 erbaut. Das kleine Grundstück ist der damaligen Gemeinde Irresheim von einem Herrn Hergarten aus Merzenich geschenkt worden. Die Baukosten wurden durch Sammlungen in dem kleinen Dorf aufgebracht. Die kleine Glocke soll im Ersten Weltkrieg demontiert worden sein. In der Irresheimer Kapelle steht eine Figur „Anna als Erzieherin“. Zu Beginn der 1970er Jahre wurde das Gebäude gründlich renoviert. Die Kapelle bekam unter anderem eine neue Tür. Die neuen Fenster hatte ein damals im Ort ansässiger Glaskünstler entworfen und ausgeführt. Früher ging die Fronleichnamsprozession der Pfarre Hochkirchen, zu deren Kirchspiel das Dorf gehörte, alle zwei Jahre durch Irresheim. Zur Erteilung des Segens wurde die Annakapelle festlich geschmückt. Auch betet die Dorfgemeinschaft noch heute in der Kapelle die Totenwache. Das unter Denkmalschutz stehende Gotteshaus bietet etwa 20 Personen Sitzgelegenheit.

Burg Binsfeld

(Auszug aus Karl Heinz Türk, "Kirchen und Burgen in der Gemeinde Nörvenich bei Düren", Rheinische Kunststätten, Heft 285, 1983) Arnold von Binsfeld, genannt 1150, ist das erste bekannte Mitglied der späteren Freiherren von Binsfeld. Um das Jahr 1200 gehören sie zu den Vasallen des Grafen von Jülich; die Äbtissin von Nivelles verlieh ihnen das Schultheißenamt in der Unterherrschaft. Es war das Bestreben der Familie, das Schultheißenamt und die Kollatur an sich zu bringen. Nach einem über ein halbes Jahrhundert geführten Prozess erhielten die Binsfelder 1550 diese erbliche Rechte. Damit wurden sie unumschränkte Herren in der Unterherrschaft, zu der noch die Nachbarorte Frauwüllesheim mit einer Kapelle und Rommelsheim gehörten. Die neuen Territorialherren hatten sich zu einer angesehenen Familie entwickelt, die verwandtschaftliche Beziehungen zu den bekanntesten rheinischen Adelshäusern hatte, deren Mitglieder hohe weltliche und kirchliche Ämter bekleideten. Im Jahre 1650 erlosch die Familie von Binsfeld im Mannesstamm. Die Herrschaft ging an die Familie Wachtendonk, 1731 kam sie an die Freiherren von Harff, später an die von Rolshausen, von Bourscheidt und von Metternich. 1794, beim Einmarsch der französischen Revolutionstruppen, sind die von Rolshausen Herren von Binsfeld. Die Feudalherrschaft wird aufgehoben, zusammen mit fünf weiteren Dörfern wird Binsfeld Mairie - eine Bürgermeisterei -, die bis zum Jahre 1940 bestand. Die Burg wird 1820 an die Familie Weber verkauft, die seit dem 17. Jh. als Halfen auf ihr wirtschafteten. Zum Ende des 19. und 20. Jh. wechselt der Besitz mehrfach den Eigentümer. Die Burg Binsfeld zählt mit ihren italienisch anmutenden, den der zweigeschossigen Nordwand vorgelagerten Loggien mit je sechs Arkaden zu den bedeutendsten Profanbauten des Rheinlandes. 1533 erbaute Werner von Binsfeld das Herrenhaus im Stil der Frührenaissance, teilweise auf den Fundamenten einer älteren Burg. Es ist ein rechteckiger Backsteinbau, der ursprünglich, betrennt von der Vorburg, mit Wasser umwehrt war. Auf der Feldseite ist die Burg drei-, auf der Hofseite zweigeschossig; sie liegt unter einem steilen, schiefergedeckten Satteldach mit zahlreichen Gauben auf beiden Seiten. Die beiden Hauptgeschosse der Südfront (Feldseite) sind durch ein Gesims getrennt, sie ruhen auf einem hohen Untergeschoss mit alten Schießscharten und neueren Kellerfenstern. An der östlichen achten von insgesamt neun Achsen bricht das aus rotem Sandstein gefertigte geschosstrennende Gesims ab. Auf der Südostecke steht ein Rundturm, der in Höhe des Mittelgesimses des Haupthauses einen vorkragenden Bogenfries und in Höhe der Dachtraufe einen ebenfalls vorkragenden Klötzchenfries hat. Der Turm hat eine spitze, über das Dach der Burg hinausragende, schiefergedeckte Haube. Alle Fenster der Südseite sind rechteckig und relativ groß, sie wurden wohl im 18. Jh. eingebaut. An den Ost- und Westseiten hat das Herrenhaus Staffelgiebel mit zwei Achsen. In ihnen sind, wie auch in der Südwand, noch alte vermauerte Fenster erkennbar. Der Südostturm mit dem anschließenden Staffelgiebel dürfte noch der 1533 abgebrochenen Burg zugehören. Die Hofseite (Nordseite) ist das Prunkstück der Burg. An der Nordseite steht ein etwas über die Fluchtlinie vorspringender, achteckiger Treppenturm, der über drei Geschossen eine achtseitige, flache Schieferhaube hat. Auf der Zeichnung von Reiner Roidkin (1720/1740) hat der Turm eine schlanke, hohe Haube, auf der Spitze einen Knauf, der den Südostturm beträchtlich überragt. Aus welchem Grunde und wann die Turmhaube geändert wurde, ist nicht bekannt. Das Backsteinmauerwerk wird durch Haustein-Querbänder gegliedert. Etwa in Turmmitte ist ein Spitzbogenfries angebracht, über dem das Mauerwerk leicht vorkragt. Über dem Fries sind die Querbänder aus Rotsandstein, darunter in weißlichem Haustein, wohl belgischem Granit. Dem hofseitigen Herrenhaus sind in beiden Geschossen Loggien mit je sechs Arkaden vorgelagert. Die Rundbogen der Arkaden liegen im Untergeschoss auf rechteckigen und im Obergeschoss auch achteckigen Pfeilern. Die Untergeschosspfeiler sind durch je zwei übereinanderstehende Maßwerkblenden geteilt. Zwischen den Unter- und Obergeschosspfeilern werden die profilierten Blendbogen und die Brüstung für das Obergeschoss durch Lisenen geteilt. Nur die Rundbogen des Untergeschosses sind mit feinem Maßwerk versehen. Die Brüstung der Loggia im Obergeschoss hat ein zierlich durchbrochenes Maßwerk mit Fischblasen und Rundbogen. Zwischen jedem Pfeilerpaar ist die Brüstung aus zwei Teilen zusammengefügt. Mit einem Flügel greift die Brüstung auf den westlichen, niedrigen Seitenflügel über, an dessen Nordecke ein runder Treppenturm in Ziegelstein mit stumpfer Haube steht. Dieser Seitenflügel scheint in den letzten 250 Jahren baulich verändert worden zu sein. Die Roidkin-Zeichnung hat links neben dem unten beschriebenen viereckigen Turm noch zwei auffallend schlanke, hohe Turmspitzen, die nicht mehr vorhanden sind. Einer der beiden Türme könnte der an der Nordecke des Westflügels stehende Treppenturm mit der heute stumpfen Haube sein. Der zweite Turm muss einer baulichen Veränderung zum Opfer gefallen sein, vielleicht im Gefolge der Neuanlage der Vorburg aus dem 16. Jh. Ein feingliedriges Maßwerkfries über den Arkaden des Obergeschosses schließt die mit so überreicher Detailarchitektur prunkvoll gestaltete hofseitige Nordfassade unter der Dachtraufe ab. Über dem Portal der Nordseite ist das Ehewappen Binsfeld - Wachtendonk angebracht. Während das Joch vor dem Portal ein Sterngewölbe hat, sind die übrigen Joche mit Kreuzgewölben aus Schienenrippen versehen. Das Innere des Hauses hat außer einem Renaissancekamin mit dem Ehewappen der Erbauer keine besonderen Bau- oder Einrichtungsteile. Die heutige Vorburg ist nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg unter Verwendung einiger erhaltener Bauteile wieder aufgebaut worden. Die kriegszerstörte Vorburg stammt aus dem 18. Jh. Von der ursprünglichen Anlage aus dem 16. Jh. ist nichts mehr vorhanden. Das um 1900 renovierte Bossenquadertor mit Zugbrückenblende und Wappen der Freiherren von Binsfeld dürfte nicht ursprünglich sein. Die oben erwähnte Zeichnung von Roidkin zeigt an der Nordostecke einen viereckigen Turm mit Zeltdach, der zur damaligen Toranlage gehören muss und heute nicht mehr vorhanden ist.

Burg Bubenheim

(Auszug aus Karl Heinz Türk, "Kirchen und Burgen in der Gemeinde Nörvenich bei Düren", Rheinische Kunststätten, Heft 285, 1983) Über Burg Bubenheim wird im Jahre 1237 in einer Urkunde des Grafen Wilhelm von Jülich von einem Ritter Ingram von Bobbele berichtet. 1377 ist die Burg nach der nächsten bekannten Urkunde im Eigentum des Geschlechts von Spies, bei dem sie bis zum Ende des 17. Jh. bleibt. 1699 bringt die dritte Frau des Freiherrn Johann Franz von Berghe genannt Trips 7 diesem den Besitz zu. Aber schon ihr Sohn, der General Adolf Karl Sigismund von Berghe genannt Trips, verkauft sein mütterliches Erbteil Bubenheim 1757 an einen Jülicher Bürger, den Rotgerber Zantis. Nach mehrfachem Wechsel im 19. Jh. gelangt der Rittersitz 1878 durch Kauf an die Freiherren von Nellessen in Aachen. Heute steht die Burg mit dem dazugehörenden Ackerland im Eigentum der Familie Schmitz-Peiffer. Die Burg liegt etwa 3 km südlich von Binsfeld in einer Gehölzinsel in der sonst fast baumlosen Bördenlandschaft. Die Anlage besteht aus der Hauptburg und der westlich vorgelagerten Vorburg, die nach zahlreichen Umbauten kaum noch als solche erkennbar ist. An der West- und Nordseite des ehemaligen Rittersitzes sind Reste des heute noch ca. 10 m breiten und bis zu 2,6 m hohen Walles erhalten, der unmittelbar vor den Wassergräben lag. Dieser Wall hat wohl in älterer Zeit die ganze Burg mit der Vorburg umschlossen, wie sie auch sicherlich ganz mit einem Wassergrabensystem umgeben war. Kleine Teilstücke der Wassergräben haben sich südlich und westlich der Hauptburg erhalten. Das heutige Herrenhaus ist um die Wende vom 15. zum 16. Jh. entstanden. Es ist ein schlichter, zweigeschossiger Ziegelsteinbau, der im unteren Geschoss schwere Sandsteinquader mit eingebauten Schießscharten hat. Die kreuzsprossigen Fenster haben Hausteinfassungen; sie sind zum Teil, besonders an dem westlichen Giebel, modernisiert und teilweise vermauert worden. Das Haupthaus hat ein hohes, steiles Satteldach mit Ziegeldeckung. An der Nordwestecke springt ein fast quadratischer Turm weit in den heute zugeschütteten Wassergraben vor. Der Turm ist dreigeschossig und hat eine achtseitige spitze Schieferhaube mit Wetterfahne. Ihm gegenüber steht an der Südostecke ein schlanker, ebenfalls dreigeschossiger, sechseckiger Treppenturm mit flacher sechsseitiger Schieferbedachung. Wie in Binsfeld hat auch dieser Ziegelsteintreppenturm Hausteinquerbänder aus einem hellen Material. Der schwere quadratische Turm hat in den beiden Untergeschossen Kreuzsprossenfenster, die im ersten Geschoss an der Außenwand vermauert sind. Im oberen Stockwerk sind einfache, kleine Rechteckfenster. Der Treppenturm hat schlichte Quersprossenfenster in Hausteinfassung. Ende des 19. Jh. wurde ein östlich des Treppenturmes gelegener Trakt des Herrenhauses niedergelegt und durch einen kleinen Anbau ersetzt. Der Rundbogen des Portals, hinter einer rechteckigen Blende für die Zugbrücke, ruht auf profilierten Kämpferplatten. Darüber ist das in Stein gehauene Ehewappen des Heinrich Spies von Büllesheim und der Margaretha Sophia von und zu Reuschenberg mit der nicht mehr lesbaren Jahreszahl 1625 eingelassen. Südlich des zum Herrenhaus führenden Portals steht ein niedriger zweigeschossiger Anbau aus verputztem Ziegelstein mit einfachem Satteldach, wohl vom Ende des vergangenen Jahrhunderts. In dem bei der Kirchenvisitation von 1550 angefertigten Protokoll ist vermerkt, dass die Kirchen von Kelz " ...hat under sich eine capell... zu Bobbeln binnen dem hausgraben". Für diese Kapelle war ein Vikar angestellt, dem der "Halfmann" attestiert, er sei "hinsichtlich Lehre und Wandel gut, habe aber die Küchenmagd zu Bobbeln geschwängert". Die dem hl. Nikolaus geweihte Kapelle innerhalb des Burggrabens , worunter wohl das umwehrte Burggelände zu verstehen ist, musste 1883 wegen Einsturzgefahr abgebrochen werden. Ihr Standort ist nicht mehr bekannt, auch über den Verbleib des Kapelleninventars ist nichts in Erfahrung zu bringen.

Alte Burg in Nörvenich

(Auszug aus Karl Heinz Türk, "Kirchen und Burgen in der Gemeinde Nörvenich bei Düren", Rheinische Kunststätten, Heft 285, 1983) Etwa 500 m nördlich von Nörvenich liegt am Steilhang des Neffelbaches, einer tektonischen Bruchkante, die Großmotte Alte Birg. Die Hauptburg war zuletzt in Stein ausgebaut und muss noch im 13. Jh. bewohnt worden sein. Hermann V. von Saffenberg (1028 - 1091), Graf in Auelgau, Graf von Nörvenich und Vogt in Kornelimünster, und seine Nachkommen, die 1177 mit Adalbert II. im Mannesstamm ausstarben, wird zuerst genannt. Adalberts Tochter brachte ihrem Mann, Graf Wilhelm von Jülich, die beiden Grafschaften Maubach und Nörvenich zu. Die Erbauer der Nörvenicher Motte müssen mächtige Herren gewesen sein, denen Geld, Material und eine große Zahl von Arbeitskräften zur Verfügung gestanden haben müssen. Die heute noch in ihren Grundzügen deutlich erkennbare Haupt- und Vorburg mit Wällen, Gräben und Mauerresten ist buchstäblich aus dem kiesigen Steilufer herausmodelliert worden. Die Hauptburg liegt auf einer Höhe von 130 m über NN und damit 22 m höher als der unmittelbar vor der tektonischen Bruchkante fließende Neffelbach; sie ist annährend 60 mal 35 m groß. Ein 25 - 30 m breiter und etwa 10 m tiefer halbkreisförmiger Graben trennt sie von der hufeisenförmig vorgelagerten Vorburg. Mit ihren je 6 - 8 m breiten Wällen und Gräben liegt die Vorburg 5 m tiefer als die Hauptburg. In der längsten Ausdehnung misst die Vorburg etwa 100 m, vor dem Hauptburggraben in der Breite rund 90 m, in der Mitte rund 70 m.

Harff'sche Burg in Nörvenich

(aus: Karl Heinz Türk "Kirchen und Burgen in der Gemeinde Nörvenich bei Düren", Rheinische Kunststätten Heft 285, 1983)Werner von Vlatten erwarb nach der um 1400 vorgenommenen Erbteilung einen Hof in Nörvenich, an dessen Stelle zweieinhalb Jahrhunderte später die Harff'sche Burg errichtet werden sollte. Durch Eheschließung kam der Besitz 1425 an Gerhard von Eynenburg, 1546 an Johann von Harff zu Geilenkirchen, der 1565 die Burg errichtete. Gut 100 Jahre später fiel der Adelssitz an Philipp Wilhelm Freiherr von Harff-Dreiborn. Im 19. Jh. erwarb Maximillian Graf Wolff Metternich die Burg mit den dazugehörigen Hofanlagen. Wiederum durch Heirat gelangte sie dann an die Vicomtes de Maistre zu Gymnich , die sie Anfang der dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts in nichtadligen Besitz verkaufte. Heute ist die seit 1880 unebwohnte, einem immer schneller um sich greifenden Verfall preisgegebene Burg eine Ruine, die wohl bald völlig einstürzen wird. Der zweigeschossige, rechteckige, etwa 22 mal 11 m große Ziegelsteinbau ruht auf einem recht hohen Kellergewölbe. Das Satteldach stand zwischen einem südlichen und einem westlichen Staffelgiebel. An der Nordseite befanden sich im Dachgeschoss zwei Staffelgiebel, die sich über die gesamte ca. 17 m lange Traufseite erstreckten. Einem mächtigen Rundturm an der Ostecke steht ein schlanker Treppenturm an der Südseite gegenüber. Die Nordwand hat fünf, die Südwand drei Achsen. Am Westgiebel steht vor dem Untergeschoss ein Renaissance-Prachterker, dessen Brüstungsfüllungen zwischen ornamentierten Lisenen die Wappen von Johann von Harff und Irmgard von Plettenberg zeigen. Die seitlichen Füllungen tragen die Büsten einer Dame und eines Herren, wohl Abbildungen der Erbauer. Neben Wappen, Lisenen, Büsten und Muschelgiebeln sind besonders die Klötzchenfriese am Erker als ausgereifte Steinmetz- bzw. Bildhauerarbeiten hervorzuheben. Zeigt schon eine Abbildung von 1910 neben dem Ausbruch der rechten Lisene deutliche Witterungsschäden an den horizontalen Sandsteineinfassungen , so muss heute gesagt werden, dass der Erker sich, wie das gesamte Haus, im Zustand der völligen Auflösung befindet. Wappen und Büsten sind kaum noch zu erkennen, die Schäden an den Sandsteineinfassungen haben sich erheblich vergrößert, die Giebelmuscheln sind ebenfalls angegriffen. Innen war das Haus durch eine Zwischenwand in den beiden Geschossen in je einen kleinen westlichen und einen größeren südöstlichen Raum unterteilt. Im Ostturm waren in zwei Geschossen Zimmer mit einer fast quadratischen Grundfläche von etwa 5,50 mal 5 m eingerichtet. Alle Zimmer und Säle hatten Kamine. Im Untergeschoss ist die Lage der Küche noch an einem Brunnen und einem Backofen in der Nordwand feststellbar. Links neben dem Treppenturm lassen ein Kamin in der Außenwand und darüber Balkenlöcher für eine Geschossdecke den Schluss zu, dass hier ein kleiner Südwestflügel gestanden hat. Ein Mauerrest, auf der Lithographie bei Duncker noch sehr deutlich erkennbar, der den Treppenturm mit einzubeziehen scheint, bestätigt diese Annahme. Mit dem Auszug der letzten Bewohner im Jahre 1880 begann der Verfall mit starken Mauerausbrüchen am Treppenturm. 1904 stürzten große Teile des Daches ein, 1909 fielen die Staffelgiebel, 1933 waren alle Dach- und Giebelteile verschwunden. 1935 wurde eine vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz finanzierte und von Th. Wildemann betreute Restaurierung des Erkers vorgenommen. 1938 wurden Renovierungs- und Sicherungsmaßnahmen am Mauerwerk und am Treppenturm eingeleitet, die wegen des Westwallbaues nicht zu dem geplanten Abschluss gebracht werden konnten.

Schloss Nörvenich/Gymnicher Burg

(aus: Karl Heinz Türk "Kirchen und Burgen in der Gemeinde Nörvenich bei Düren", Rheinische Kunststätten Heft 285, 1983) Dem nach dem Aussterben der Nörvenicher Grafen zum "Amt Nörvenich" gewordene Gebiet mit mehr als 30 Dörfern standen nun jülichsche Ministeriale vor. Wohl um 1400 erbaute der Amtmann Wilhelm von Vlatten den wehrhaften Palas der wasserumwehrten, heute Gymnicher Burg - seit 1981 Schloss Nörvenich - genannten Burg am Ortsrand von Nörvenich. Wie noch nicht ausgewerteten Ausgrabungen des Bonner Landesmuseums von 1982 ergaben, hat am heutigen Standort eine kleinere, abgebrochene Burg aus der Mitte des 14. Jh. gestanden. Durch verschiedene An- und Umbauten erhielt das um 1400 entstandene Bauwerk sein heutiges Aussehen. Im 19. Jh. fiel das Anwesen den Grafen Wolff Metternich in Gymnich zu. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ging es in nichtadligen Besitz über. Seit dieser Zeit hat es mehrfach den Eigentümer gewechselt. Seit 1980 gehört das heute Schloss Nörvenich genannte Anwesen der Familie Joe F. Bodenstein. Zur Zeit wird eine gründliche Renovierung vorgenommen mit dem Ziel, hier ein Kunstmuseum einzurichten (Anmerkung: Heute, 2003, hat hier das "Museum Europäische Kunst" seinen Sitz). Die bei der Grabung 1982 entdeckte rechteckige Burg mit vier runden Erkertürmen war etwa 11 mal 25 m groß und hatte einen nördlich vorgelagerten Zwinger. Werner von Vlatten, als Amtmann von Nörvenich zwischen 1366 und 1394 genannt, dürfte sie bewohnt haben. 1403 ist sein Sohn Wilhelm nach einer Teilung Besitzer der Burg; ob dies noch das ursprüngliche Bauwerk oder bereits der Neubau war, ist noch nicht geklärt. Wilhelms Bruder Werner erhielt bei der Erbteilung einen Hof, aus dem sich zwei Jahrhunderte später die Harff'sche Burg entwickelte. Das ältere, 11 mal 25 m große Burghaus muss um die Wende des 14. zum 15. Jh. bis auf die Grundmauern abgebrochen worden sein. Auf den Fundamenten wurde dann der um 7 m längere Palas mit entsprechend vergrößerter Zwingeranlage erbaut. Das zweigeschossige Herrenhaus, seit dem 18. Jh. dreiflügelig, steht über einem hohen Kellergeschoss, das Ziegelsteinmauerwerk ist teilweise bis zu 1,50 m stark. Es hat schwere mit Ziegeln gedeckte Walmdächer und beschieferte Gauben und Turmhauben. Im 15. Jh. fiel der Besitz durch Heirat an Konrad Scheiffart von Merode-Bornheim. Wilhelm Scheiffart von Merode und seine Frau Agnes von Bylandt vergrößerten das Haus in der Mittedes 16. Jh. um den Westflügel. Ein auf Konsolen verkragender Erker, dessen Brüstungen die Wappen Merode und Bylandt und seitlich gotisches Mauerwerk tragen, ist teils noch gotisch und gehört schon dem Renaissancesteil an. Am Ende des 16. Jh. fällt die Burg durch Heirat an den Freiherrn Johann Otto von Gymnich, in dessen Familie sie bis ins 19. Jh. hinein verbleibt und die ihr den im Volksmund gebräuchlichen Namen gegeben hat. Mit dem Domherrn zu Mainz und Archidiakon zu Trier, dem Freiherrn Karl Kaspar Wilhelm von Gymnich, starben die direkten Nachkommen des Johann Otto von Gymnich im Jahre 1739 aus. Er vererbte seinen Nörvenicher Besitz an seinen Vetter Karl Otto Ludwig Theodat Freiherrn von und zu Gymnich, der Vizepräsident des Hofrates bei Kurfürst Clemens August und Erster Staatsminister unter seinem Nachfolger war. Durch den Mainzer Domherrn erhielt die Anlage den Südflügel, die großzügige, zweiläufige Freitreppe mit einer Terrasse (Ehrenhof) und eine Vorburg, deren Westteil 1902 abgebrochen wurde. Damals sind die Wassergräben zugeschüttet worden. Um dem neuen südlichen Wohnflügel das symmetrische Aussehen entsprechend dem Geschmack der Zeit zu geben, erhielt auch er einen Erker, der dem am Westflügel nachempfunden, in seiner stilistischen und handwerklichen Ausführung aber kaum gleichwertig ist. In der Brüstung trägt er das Wappen des Erbauers mit den gekerbten Gymnicher Kreuz, sein Monogramm und die Jahreszahl "1732". Beide Seitenflügel haben hohe, schlanke, runde Ecktürme mit geschweiften, beschieferten Hauben und Balusterspitzen, wie sie auch die beiden kleinen, nördlich gelegenen Türme der Zwingeranlage und der westliche kleine Turm tragen, der durch einen niedrigen Verbindungsbau an den Westflügel angebaut ist. Dieser kleine westliche Turm dürfte zur abgebrochenen Zwingeranlage gehört haben, welche die Burg vermutlich allseitig schützte. Der dazugehörige vierte Turm muss im 18. Jh. durch die Errichtung des Südflügels überbaut worden sein. Die Vorburg diente bis zum Abbruch der Westanlage mit Scheunen, Ställen und Nebenräumen landwirtschaftlichen Zwecken. Der erhaltene Südflügel hat heute noch zwei fast quadratische Ecktürme mit geschweiften Hauben, die der abgebrochene Vorburgflügel nicht hatte. Etwa 1950 ist der größere Teil des Daches der Vorburg mit der Geschossdecke eingestürzt. Im Rahmen der Renovierung und Nutzbarmachung der Gesamtanlage ist eine Erneuerung geplant. Im Inneren haben ein Anzahl von Räumen reichgestaltete Stuckdecken im Régencestil nach der Art der Schlösser Brühl und Gymnich. Sie tragen Blütenranken, allegorische Figuren, besonders aber wappentragende, federballspielende Putten. Der eine Mitra balancierende Putto in einem Zimmer des Obergeschosses soll wohl auf den Mainzer Dombauherrn und Trierer Archidiakon hinweisen, der zu Beginn des 18. Jh. die großen Baumaßnahmen vornahm. Da sein Erbe aufgrund seiner herausragenden Stellung die besseren Beziehungen zum kurfürstlichen Hof hatte, wird er wohl die Gelegenheit wahrgenommen haben, italienische Stukkateure von Brühl zu seinen Häusern in Nörvenich und Gymnich zu entsenden.